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Anagener Haarausfall

Anagener Haarausfall (lat. anagen effluvium, AE) ist ein diffuser Verlust von Haaren in der aktiven Wachstumsphase, d.h. Anagenphase. Zu dieser Gruppe zählen Haarausfall bedingt durch verletzende Faktoren (vor allem Zytostatika, Belichtungen, toxische chemische Stoffe), Loose Anagen Hair Syndrome und abnorm kurze Anagenphase. Einige Autoren nennen hier auch die sog. Alopecia Areata Incognita.

Symptome 
Im Falle des durch Zitostatika bedingten Haarausfalls erfolgt schneller diffuser Haarverlust meistens nach 1-3 Wochen nach der ersten Einnahme des Medikaments. Haarausfall tritt bei ca. 65% Personen auf, die mit Zitostatika behandelt werden und ist oft bei Monotherapie leichter ausgeprägt als bei Behandlung mit mehreren Medikamenten. Anagener Haarausfall mit einem leichterem Verlauf ist bei den Patienten zu beobachten, die Medikamente mit geringerem Einfluss auf den Haarzyklus einnehmen (z.B. Retinoide, Fluoxetin, Carbamazepin). Beim anagenen Haarausfall wegen der ungenügenden „Verankerung“ der anagenen Haare (sog. Loose Anagen Syndrome) bekommt der Patient den Eindruck „nicht wachsender“ Haare. Diese Erkrankung kommt am häufigsten bei kleinen Mädchen (1-6 Jahre) vor. Dieselbe Beschwerden und ähnliches klinisches Bild werden bei Personen mit sog. abnorm kurzer Anagenphase festgestellt.

Krankheitsverlauf
Bei AE wegen der Exposition gegenüber Chemotherapeutika, Medikamenten und toxischen Faktoren kann man mit dem Nachwuchs der Haare nach Beendigung der Wirkung des Faktors rechnen. Die neu wachsenden Haare können anders als die vor dem Haarausfall wachsenden Haare sein, sie sind oft gelockt und können eine leicht andere Farbe haben.

Diagnose 
Die Diagnose des androgenen Haarausfalls wegen der Wirkung der Zitostatika ist in der Regel einfach, weil Patienten während der Anamnese über die Behandlung mit Zitostatika/Krebstherapie erzählen. Trichoskopie ist sehr hilfreich bei der Differenzierung der anderen oben genannten Krankheiten.

Behandlung 
Bei einem durch toxische Stoffe bedingten Haarausfall sollte man vor allem die Ursache ausschalten. Es gibt Versuche, anagenen Haarausfall wegen der Chemotherapeutika durch Einsatz von Kühlsysteme für behaarte Kopfhaut zu verhindern, was die Exposition der Haarbälger gegenüber Zitostatika vermindern sollte.